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Grundeinkommen

Artikel vom 22.03.2018, 20:22 Uhr.

Achter Stammtisch des REGIO-MARK e.V. am 13. März 2018

Der Vortragsraum im Schwabacher Mehrgenerationenhaus war gut gefüllt. Das Thema hoch interessant: Bedingungsloses Grundeinkommen!

Wer hätte es nicht gerne – monatlich einige 100 Euro auf das Konto – einfach so, ohne dafür etwas „leisten“ zu müssen? Wer nun kam, um zu erfahren, wie solch ein Grundeinkommen realisierbar ist, die Fragen beantwortet zu bekommen, welche Personen und wann sie endlich in den Genuss dieser fantastischen Idee kommen, sah sich getäuscht.

Volker Drexler, engagierter Befürworter des Grundeinkommens aus Nürnberg und Referent, nahm gleich all den technischen Fragen den Wind aus den Segeln! Er sei kein Experte, der das Know-how hat, wie man solch eine Sache durchzieht und auch kein Experte, der die Lösung für all die Fragen bzgl. des Grundeinkommens hat. Vielmehr sei er ein Fragender, der erst ganz am Anfang steht und diese Idee, diesen Traum weiter beflügeln möchte.

Ja es ist ein Traum und ist durchaus mit der Mondfahrt vergleichbar, so Volker Drexler. Man wusste am Anfang auch nicht, wie man dahin kommen sollte, erst recht nicht, wie zurück. Aber es war ein Traum, der begeisterte, der viele Menschen mit den unterschiedlichsten Ideen und Wissen zusammenbrachte, so dass dann letztendlich daraus Wirklichkeit wurde. Und so ist das Grundeinkommen ein Traum, eine Vision, dass von vielen Menschen weltweit in die Medien, in die Politik, in die Wirtschaft, in die Wissenschaft getragen wird.

Erste starke Bewegungen gab es bereits in den 70iger Jahren in den USA während der Reagan Administration. In der Schweiz gab es vor einigen Jahren eine Volksabstimmung. Auch wenn diese abgelehnt wurde, so zeigte es, dass fast ein Viertel der Bevölkerung dafür war. Und es wurde in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert. Diese Diskussionen sind laut Volker Drexler auch gut und notwendig, um diese Idee eines Tages erfolgreich wahr werden zu lassen. Neben Politik und Wirtschaft, braucht es viele andere Disziplinen wie die Sozialforschung, Ethik und Philosophie, die Justiz und auch die Technik wie das Internet. Und das weltweit. Was würde passieren, wenn ein Land damit anfängt? Wird es ein Paradies auf Erden, wo dann viele Menschen wohnen möchten und dementsprechend hinziehen werden?

Und wenn man sich auf diesen Traum einlässt, so wie es die Zuhörer im Mehrgenerationenhaus taten, stellte sich gleich die Frage nach dem Bild des Menschen! Ein Grundeinkommen würde die Wertestruktur der bisherigen Gesellschaft grundlegend verändern. Das Streben nach Wachstum, Gewinn- und Renditemaximierung würden grundsätzlich in Frage gestellt. In der Arbeitswelt würden Hierarchien abgebaut – Arbeit auf Augenhöhe und ein Miteinander wurde von den Gästen gezeichnet. Die Gewerkschaften würden in der heutigen Form nicht mehr existieren können. Ein Sparen für die Rente oder Notzeiten entfiele. Auch die ganze bisherige soziale Absicherungen wie Hartz IV wären obsolet. Statt nachzuweisen, ich bin bedürftig, brauche Hilfe und bin anspruchsberechtig wird dem Menschen mit dem Grundeinkommen ein Grundrecht auf Grundversorgung und auf Leben eingeräumt. Insgesamt zeigte sich, dass die Einführung eines Grundeinkommens ein „neues Denken“ voraussetzt - die Diskussion im Vorfeld, so wie an diesem Abend schon ein „neues Denken“ in die Wege leitete. Die Bedeutung des veränderten Denkens und der Werte werden dadurch unterstrichen, dass das Grundeinkommen gemeinhin auch als „universal“ bezeichnet wird – im Gegensatz zum deutschen „bedingungslos“ was für viele Menschen ein negatives Reizwort darstellt.

Allein diese kurze Diskussion unter den Besuchern des Abends zeigte, dass die Fragen und Themen rund ums Grundeinkommen sehr komplex sind. In vielen Diskussionen wird häufig leider nur verkürzt über die technische Machbarkeit wie die Höhe, die Finanzierbarkeit und die möglichen Bezieher gesprochen. Aktuell gibt es weltweit einige Modellversuche – das bekannteste in Finnland, wo ca. 2000 Menschen für 2 Jahre ein Grundeinkommen erhalten. Alle Studien konnten bisher widerlegen, dass der Mensch dann faul sein würde und die Arbeit niederlegt. Eher das Gegenteil wurde bestätigt: sie nutzten ihre durch das Grundeinkommen gewonnene Freiheiten z.B. zur persönlichen Weiterbildung oder zur Pflege von Familienmitgliedern.

Daher ist die grundlegende Frage, ob wir Bürger das Grundeinkommen wollen. Bisher wehrt sich die Politik dagegen, auch wenn vereinzelt kleine Parteien es in ihr Wahlprogramm schreiben, was aber eher als Stimmenfang dient als ein ausgereiftes Konzept darstellt. Vielleicht stellt sich diese Frage nach dem Wollen gar nicht, denn es wird einfach kommen. Durch neue technische Möglichkeiten wie das Internet und die Blockchain-Technik werden sich Gemeinschaften bilden können und ihre eigenen Verrechnungssysteme etablieren. Siehe Bitcoin – da wurde auch niemand im Vorfeld gefragt: das Bedürfnis der Menschen nach unabhängigen demokratischen Zahlungsmitteln war da und suchte sich seinen Weg – ohne Politik, Wirtschaft und sonstige staatlichen und soziale Institutionen! Daher besteht durchaus die Möglichkeit, dass diese Bewegung „Grundeinkommen“ – teilweise wird heute schon von der „Generation Grundeinkommen“ gesprochen, die vor allem von jungen Menschen vorangetrieben wird, sich ihren Weg eines Grundeinkommens sucht und realisiert.

Zum Schluss übergab Volker Drexler ein Brettspiel zum Thema dem REGIO-MARK e.V. als Dank für das große Interesse an dem Thema und seiner Einladung. Nach fast 2 Stunden intensivem Gespräch wurde für den nächsten Stammtisch am 15. Mai um 19:30 Uhr festgelegt, das Spiel nachzuspielen. Ort: Mehrgenerationenhaus in der Flurstraße 52 in Schwabach.

Kleine Ergänzungen:

1. Das Spiel zum Grundeinkommen heißt das Gesellschafts-Spiel! Link hier.

2. Wiederholt wurde auch der Film "Free Lunch Society" erwähnt. link zu einem Bericht hier (verfügbar bis 29.1.2019)




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