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Müssen Schulden zurück gezahlt werden?

Artikel vom 08.08.2017, 20:47 Uhr.

Vierter Stammtisch am 18. Juli 2017

Zusammenfassung: Im vollbesetzten Büro des BUND in Schwabach wurden mit einem Impulsreferat die Folgen der exorbitanten Handelsüberschüsse der Bundesrepublik Deutschland beleuchtet. Die Überschüsse, die pro Kopf über 3000 € betragen, führen in Deutschland zu hohen Steuereinnahmen, zur Sanierung des Haushalts und zu einer hohen Beschäftigung. Auf Länder mit hohen Importüberschüssen wirken sie spiegelbildlich. Die Ursachen liegen in Deutschland i.W. in einer gesättigten Binnennachfrage und in einer hohen Lohnzurückhaltung. Dafür wird Deutschland international seit Jahren heftig kritisiert. In der abschließenden Diskussion wurde klar, wie sehr dieses Verhalten zu einer Verschärfung der internationalen Staatsschulden und der Flüchtlingskrise führt. Klar wurde auch, das Staatsschulden, die sich seit 2007 mehr als verdoppelten, auf Grund von Inflation und Währungsreformen nur teilweise zurückgezahlt werden. Bleiben die Fragen nach einem „gerechteren“ Geldsystem, das wieder als Mittel zum Gemeinwohl orientierten Wirtschaften dient und nicht als Selbstzweck seiner eigenen Vermehrung.

Thema des nächsten Stammtisches am 5. September: „die Abschaffung des Bargeldes“ - Segen oder Fluch?


Deutschland tituliert sich selbst gerne als Exportweltmeister. Die exorbitanten Handelsüberschüsse der Bundesrepublik Deutschland stehen schon seit vielen Jahren in der Kritik; dennoch nehmen sie jedes Jahr weiter zu. Doch welche Auswirkungen haben sie für andere Länder, für uns und was hat das Ganze mit der derzeitigen Schulden- und Flüchtlingskrise zu tun?

Diese Fragen wurden im Impulsreferat beleuchtet.

Damit sich der Zuhörer ein Bild von der Größenordnung der aktuellen Situation machen konnte, wurden die Zahlen auf das Pro-Kopf Verhältnis heruntergebrochen. So liegt die Wertschöpfung (= die Summe der erzeugten Waren und Dienstleistungen) derzeit bei fast 38.000 € pro Kopf der deutschen Bevölkerung (Rentner, Arbeitslose und Kleinkinder eingeschlossen). Davon werden ca. 1/3 der Leistung aus dem Ausland bezogen und fast 40% ins Ausland exportiert. In Summe bleibt ein Saldo von über 3000 € pro Kopf, der mehr exportiert wird.

Die Gründe hierfür sind erst einmal vielfältig. Zum einen genießen deutsche Produkte auf dem Weltmarkt ein hohes Ansehen, denn sie weisen im Vergleich eine hohe Qualität auf. Zum anderen ist es so, dass die deutschen Unternehmen nach neuen Absatzmärkten suchen (müssen) und diese erschließen, da der Markt in Deutschland als gesättigt gilt. Hinzu kommt, dass deutsche Produkte im Verhältnis recht preiswert sind, denn die Lohnstückkosten sind im Vergleich mit anderen Ländern in den letzten Jahren kaum gestiegen. Diese Punkte stehen massiv in der Kritik: zum einen die hohe Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer, damit Deutschland international wettbewerbsfähig ist und bleibt; zum anderen sollte Deutschland die Investitionsrate steigern, die seit der Wiedervereinigung stetig gesunken ist, um zusätzliche Nachfrage auf den Binnenmärkten zu schaffen.

Weiterhin sei erwähnt, dass die deutsche Exportwirtschaft ein Nutznießer des Euros ist: gäbe es noch die DM, so wäre diese Währung z.B. gegenüber dem US$ um etwa 20% teurer (da der Bilanzierungsraum die Bundesrepublik wäre), was für uns Deutsche die US amerikanischen Produkte, Dienstleistungen und Reisen um 20 % billiger und für die US Bürger die deutschen Produkte und Reisen um 20 % teurer machen würde. Diese Anpassung aufgrund der Wechselkurse fällt mit dem Euro (der Bilanzraum ist hier die EU) weg, da die Außenhandelsbilanz der EURO Länder ausgeglichen ist.

Ergo: Die deutsche Politik wird im Wesentlichen dafür kritisiert, dass sie ihre Probleme wie schwache Binnennachfrage und Arbeitslosigkeit mit ihrem Verhalten auf andere Länder (vor allem auch die restlichen EURO-Länder) abwälzt. So tragen die Exportüberschüsse zu erhöhten Steuereinnahmen und zur Sanierung des deutschen Staatshaushalts bei, verbunden mit einer niedrigen Arbeitslosigkeit. Andere Länder stehen ganz anders da. So haben sich beispielsweise seit 2007, das Jahr in dem die Finanzkrise ausbrach, die Schulden der Staaten dieser Welt mehr als verdoppelt, trotz aller Bekenntnisse zum Sparen!

In der anschließenden Diskussion ging es dann vor allem auch um die Frage: Müssen Schulden zurückgezahlt werden? Es zeigte sich in der Diskussion, dass dies aus mehreren Gründen gar nicht möglich ist. Wenn wir zum einen den Raubbau an Natur, Umwelt und nicht regenerierbaren Ressourcen betrachten, so lässt sich dieser gar nicht quantifizieren! Staatsschulden wurden in der Vergangenheit noch nie zurückgezahlt – zumindest nicht im vollen Umfang: Inflation oder Währungsreformen (allein in Deutschland waren es in den letzten 100 Jahren zwei) tragen zu einer Entschuldung der Staaten bei.

Des Weiteren wurden die Ursachen für die Flüchtlingsströme betrachtet: Inwiefern sind sie Folge einer systematischen Vernichtung von Märkten (wie z.B. Geflügelmarkt in Afrika) oder durch Kriege (zum Abbau von Schulden) verursacht? Wer verdient daran? Zahlt nicht die ganze Gemeinschaft, wenn wir Flüchtlinge aufnehmen (müssen)?

Somit blieben die Fragen: wie und wozu wirtschaften wir?

Können wir uns nicht an der Fußball-Bundesliga ein Beispiel nehmen? hier fängt jedes Spiel und jede Saison bei 0:0 an – Tore sind nur ein Mittel, Ziel ist ein attraktiver Fußball?

Wie könnte ein Geldsystem aussehen, das wieder Mittel zur Erreichung des Ziels eines „Gemeinwohl“ orientiertem Wirtschaften ist und nicht dem Selbstzweck seiner eigenen Vermehrung dient?

  Insgesamt blieben an dem Abend im vollbesetzten Büro des BUND in Schwabach mehr Fragen als Antworten. Um sich der Frage nach einem „anderen“ Geld anzunähern, wird im nächsten Stammtisch am 5. Sept. das Thema „die Abschaffung des Bargeldes“ mit 2 kontroversen Impulsreferaten eingeleitet und anschließend wird wieder diskutiert.



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