Presseberichte
Mittelfranken zahlen mit Mittelfranken, Schwabacher Tagblatt, 30.4.2010
Link zu Orginalbeitrag auf www.schwabacher-tagblatt.deMittelfranken zahlen mit Mittelfranken
Der Verein »Regio-Mark e.V.« will ab Oktober in Schwabach eine Regionalwährung einführen. Nach und nach soll das Regionalgeld auf weitere Gebiete des Bezirks ausgeweitet werden. Ab 2015 sollen die Bürger Mittelfrankens dann in ganz Mittelfranken mit dem »Mittelfranken«, so der Arbeitstitel des Geldes, bezahlen können. Sinn dieses ergänzenden Zahlungsmittels zum Euro ist es, regionale Wirtschaftskreisläufe anzuregen und die regionale Wirtschaftskraft zu erhalten und zu stärken.
SCHWABACH (stt) - Zielgruppen des Vereins sind alle Geldnutzer, die einen wesentlichen Anteil ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten innerhalb der Region realisieren wollen. Ferner ist das Regionalgeld auch als Kommunikationsmittel gedacht, das einen Austausch zwischen Kunden und Anbietern über Produktion und Verteilung von Gütern anregt und fördert. »Wir bilden eine Gegenbewegung zur Globalisierung«, erklärte Vereinschef Clemens Koch aus Büchenbach. Für ihn soll das Regiogeld auch »das kulturelle Bewusstsein der Bürger Mittelfrankens in einem vereinten Europa stärken«.
Regionalwährungen existieren laut Koch bereits in zahlreichen Gebieten der Welt und funktionieren dort auch nachhaltig. Das bekannteste Beispiel aus Bayern ist der »Chiemgauer« in der Region um den Chiemsee. Seine Erstausgabe erfolgte im Januar 2003 mit 2000 Einheiten. Heute sind zwischen Wasserburg, Traunstein und Prien 452 264 Chiemgauer im Umlauf. 570 Unternehmen und 213 Vereine decken mit ihm Teile ihres Bedarfs.
Beim Aufbau des Regionalgeldsystems ist zunächst geplant, Gutscheine gegen Euro einzutauschen, die dann bei regionalen Händlern und Produzenten, die Mitglied im Verein sind, gegen Waren und Dienstleistungen eingelöst werden können. Sie wiederum sollen ihre Vorleistungen und Rohstoffe so weit wie möglich ebenfalls über die Gutscheine bei regionalen Anbietern beziehen. Die erste Stufe der Einführung wird ausschließlich diese Tauschfunktion von Geld auf die Regionalwährung übertragen.
Gebühren
In einer zweiten und dritten Stufe sollen auch die Kredit- und Sparfunktion hinzukommen. Für Tausch, Umtausch und Nutzung der Regionalwährung fallen Gebühren zwischen zwei und fünf Prozent an. Daraus finanziert »Regio-Mark« seine Aktivitäten, die sich neben der Ausgabe und Bewirtschaftung des »Mittelfranken« vor allem auf die Unterstützung der teilnehmenden Unternehmen konzentrieren. Per Internet, Werbung und Information soll auf die Vorteile des Regiogeldes aufmerksam gemacht und seine Verbreitung vorangetrieben werden. Ein Teil der Vereinseinnahmen wandert in Regiogeld als Spende an Vereine und soziale Einrichtungen, die damit ihrerseits regional einkaufen können.
In den ersten drei Jahren will sich »Regio-Mark« auf den Landkreis Roth und die Stadt Schwabach konzentrieren. 170 000 Bewohner verfügen hier über eine jährliche Kaufkraft von rund drei Milliarden Euro. Etwa 20 Prozent der Wertschöpfung werden nach Darstellung des Vereins regional erbracht. Binnen drei Jahren will »Regio-Mark« ein Prozent dieses regionalen Umsatzes mit Regionalgeld abdecken.
Wie Clemens Koch erklärte, betrachte der Verein sein Zahlungsmittel nicht als Konkurrenz zum Euro. »Unser Angebot können die Bürger zusätzlich nutzen, um regionalen Zusammenhalt zu demonstrieren und in der Region ein kulturelles und soziales Netz zum Nutzen aller Menschen zu schaffen«, sagte Koch.
»Regio-Mark« wird mehrere Info-Veranstaltungen über Grundlagen und Funktionsweise von Regionalwährungen anbieten. Ferner sucht der Verein Mitglieder und Unterstützer für den Aufbau des alternativen Zahlungssystems.
Infos: clemens.h.koch@web.de oder www.regio-mark.de. Ansprechpartner: Clemens Koch, Heidenbergstraße 7, 91186 Büchenbach, Telefon (0 91 71) 89 53 39.